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Erfolg in der Strategieumsetzung ist ohne die richtigen Prinzipien nur Wunschdenken

Aktualisiert: 9. Feb. 2021

Die Steuerung der Strategieumsetzung ist ein anstrengender Balanceakt, bei dem viele Unternehmen zu schnell das Gleichgewicht verlieren. Einige der wichtigsten Gründe für das Scheitern der Strategieumsetzung haben wir in einem vergangenen Blogartikel bereits analysiert. So vielschichtig und unterschiedlich die Gründe sein mögen, sie haben eine große Gemeinsamkeit: Es mangelt an Transparenz & Informationsfluss, Rollenbewusstsein & Verantwortung sowie Motivation & Commitment. Was fehlt, ist eine Struktur zur Steuerung der Strategieumsetzung und eine passende Kultur, die Raum für Entwicklung und Mitwirkung schafft.


In den meisten Fällen haben umsetzungsstarke Unternehmen ihrem Wettbewerb insbesondere voraus, dass sie genau diesen Rahmen für die Steuerung der Strategieumsetzung entwickelt haben. Sie geben der Strategiearbeit in der eigenen Organisation eine entsprechende Logik und Architektur und hauchen ihr damit Leben ein. Dies muss nicht bedeuten, alles zu verkomplizieren, im Gegenteil. Es schafft ein gemeinsames Verständnis und verringert Reibungsverluste während der Umsetzung drastisch, wenn man die Strategiearbeit an gewissen Prinzipien ausrichtet und daraus die richtigen Regeln ableitet.



Aktionismus ohne Struktur führt zu Misserfolg


Viele Organisationen neigen dazu, sich zu schnell auf einzelne Aktivitäten zu stürzen und Maßnahmen zur Strategieumsetzung zu ergreifen, ohne sich auf diese gemeinsame Reise ausreichend vorbereiten. Doch bevor ein gewisser organisatorischer Rahmen gesetzt ist, endet dies leider meist in kontraproduktivem Aktionismus. Ohne ein entsprechendes System wird es bei zunehmender Unternehmensgröße immer schwieriger und komplexer, die richtigen Entscheidungen zu treffen.


Sicher, zu viele Regeln und Prozesse führen zu Bürokratismus und Lähmung. Es gilt die Balance zu finden und schlanke Ansätze zu etablieren, um der Strategiearbeit eine leane Struktur zu verleihen. Dabei ist das Set-up effizienter Steuerungsprozesse für die Strategieumsetzung im Grunde recht einfach zu erreichen, wenn man den richtigen Grundregeln und Prinzipien folgt.



Fünf Prinzipien für eine erfolgreiche Steuerung der Strategieumsetzung


1. Radikale Fokussierung

Strategischer Erfolg ist maßgeblich davon geprägt, „Nein“ sagen zu können. Es braucht einen unverkennbaren Fokus auf das Wesentliche und klar gesetzte Prioritäten, um als Organisation zielgerichtet und erfolgreich agieren zu können. Dies gilt insbesondere dann, wenn strategische Ziele im weiteren Verlauf von nachgelagerten Bereichen, Abteilungen und Teams aufgegriffen werden.


Viele Unternehmen versuchen zu schnell zu viel zu erreichen und verlieren mit jeder Ebene der Unternehmenshierarchie mehr den Überblick über Ziele, deren Herkunft und Bezug zur Strategie. Wenn auch gut gemeint, bereitet dies meist nur Probleme in der Umsetzung und bindet zudem unnötig zusätzliche Ressourcen des Tagesgeschäftes. Die starke Limitierung von Zielen und der Fokus auf das Wesentliche bündelt Kräfte immens und ist daher ein extrem wichtiges Prinzip einer Steuerungsarchitektur für die Strategieumsetzung. Mit ihm steht und fällt der Erfolg.


Ein effizientes System zur Steuerung der Strategieumsetzung baut genau auf diesem Grundsatz auf und verfolgt ihn radikal: Fokussierung auf die wenigen wirklich wichtigen Ziele! So einfach dies zunächst klingt, es ist meist die schwierigste Herausforderung für Führungskräfte. Müssen gute Führungskräfte nicht eigentlich neue Ideen förmlich anziehen, Heißhunger nach mehr Innovationen verspüren und stets bestrebt sein Trends früh zu erkennen und sich diesen anzupassen? Die enttäuschende Wahrheit ist, dass es immer mehr wichtige und gute Ideen geben wird, als Kapazitäten diese umzusetzen. Ideen abzulehnen bedeutet auch immer die Chance, Mitarbeiter jeden Tag damit motivieren zu können, wie sehr sich ihre gebündelten Kräfte auf die wichtigsten strategischen Hebel auswirken, auf die sie sich gerade konzentrieren.



2. Konsequente Ausrichtung

Ein weiterer wichtiger Treiber erfolgreicher Strategieumsetzung ist die konsequente Ausrichtung aller Aktivitäten von Abteilungen, Teams und Mitarbeitern an der Unternehmensstrategie. Durch die Ausrichtung an übergeordneten Zielen entsteht ein logisches Konstrukt. Ziele, strategische Initiativen und Projekte zahlen aufeinander ein, stehen in Abhängigkeiten zueinander und mit jeder Organisationseinheit durchdringt die Strategie die Organisation ein wenig mehr. Diese Logik gilt es durch die Rahmenbedingungen der Zieldefinition abzusichern.


Strategic Alignment basiert stets auf effektiver Kommunikation und Transparenz, denn Mitarbeiter und Teams können nur dann erfolgreich anknüpfbare Ziele definieren sowie deren Sinnhaftigkeit bewerten, wenn sie die Strategie auch verstanden und verinnerlicht haben. Ein Steuerungssystem zur Zieldefinition sollte genau diese Kultur der Transparenz und Kommunikation anstreben, z. B. durch den gezielten Wechsel zwischen Top-Down- und Bottom-Up-Prozessen.


Diese Transparenz gilt nicht nur für die vertikale Durchdringung der Organisation. Silodenken zu überwinden ist eine große Herausforderung für Strategic Alignment. Erfolgversprechende Strategieumsetzung ermöglicht und fördert organisationsübergreifende Zusammenarbeit, um die funktionsübergreifenden Herausforderungen zu bewältigen und legt deshalb großen Wert auf horizontalen Informationsfluss zwischen Teams und Abteilungen.



3. Klares Commitment

Es liegt in der Natur strategischer Statements, dass sie zunächst sehr weit entfernt von ihrer späteren Umsetzung sind. Sie werden auf einer abstrakten Flughöhe entwickelt, auf welcher bewusst vieles ausgeblendet wird. An der Umsetzung sind später jedoch Einzelpersonen, Teams und bestimmte Abteilungen mit einem weitaus detaillierteren Blick beteiligt. Dazwischen gilt es in erster Linie ein gemeinsames Verständnis für das übergeordnete Ziel sowie Zustimmung, Verbindlichkeit und Verantwortung zu erzielen. Dies erfordert Kommunikation. Viel Kommunikation. Flughöhen miteinander zu verknüpfen bedeutet mehrfach Perspektiven auszutauschen, zu verstehen und abzugleichen.


Ein System zur Steuerung der Strategieumsetzung muss genau diese Verbindlichkeit und klar geregelte Verantwortlichkeiten auf allen Ebenen herstellen können. Es muss durch entsprechende Abstimmungsprozesse Raum für die notwendige Kommunikation bieten und Top-Down als auch Bottom-Up die richtigen Synapsen bilden, die eine vollständige Durchdringung der gesamten Organisation fördert.



4. Transparente Informationen

Transparenz über den aktuellen Zielerreichungsgrad ist weit mehr als ein monatliches Reporting an das Top-Management. Und das Managen von Strategieumsetzung ist weit mehr als das Messen von Ergebnissen! Versteht man das Monitoring der Zielerreichung als organisationsübergreifendes Kommunikationsmittel, wird daraus ein sehr mächtiges Werkzeug zur Verbesserung von Zusammenarbeit und Motivation.


In der Umsetzung von Strategien erfolgreiche Unternehmen sind hier in der Regel sehr transparent und schaffen so häufig die Basis für mehr Mitwirkung, Offenheit für Reflexion, eine gesunde Fehlerkultur und letztlich intrinsische Motivation bei ihren Mitarbeitern. Moderne Steuerungsmechanismen für die Strategieumsetzung bieten diese Transparenz auf allen Ebenen und integrieren gleichzeitig die entsprechenden Kennzahlen in Form von regelmäßigen Statusmeetings, Reflexionen und Feedbackschleifen in die bestehenden Prozesse.



5. Herausfordernde Ziele

Das Setzen herausfordernder Ziele ist ein elementarer Bestandteil der Kultur von marktverändernden Unternehmen. Organisationen brauchen ihre „Moonshot“-Ziele. Es ist besser, nur 70 % eines hochgesteckten Zieles zu erreichen, anstatt ein sicher erreichbares Ziel zu übererfüllen. Es kommt darauf an, die eigene Organisation glaubwürdig und inspirierend dazu zu motivieren, das Beste zu geben, um das Unternehmen gemeinsam in eine bessere Zukunft zu führen.


Strategische Steuerung sollte genau diesen Rahmen abbilden und eine gesunde Balance zwischen Realismus und Herausforderung finden. Um Sandbagging zu vermeiden, sollten Ziele der einzelnen Teams und Abteilungen zudem nie mit den Entgelten und Mitarbeiterbewertungen verbunden sein. Entgelt- und beförderungsrelevante Zielvereinbarungen wirken sich in der Regel äußerst kontraproduktiv auf diese Challenge aus, die man sich als Unternehmen selbst geben möchte. Intrinsische Motivation ist ein weitaus nachhaltigerer Antrieb, wenn Mitarbeiter erkennen, auf welches „Why“ sie eigentlich hinarbeiten!



Individuellen Rahmen festlegen – keep it simple!


Ein gutes Framework für die Strategieumsetzung ist stets sehr individuell und auf die Unternehmenskultur angepasst. Nicht alles funktioniert überall gleichermaßen. Es spielt auch zunächst keine große Rolle, mit welchen Methoden und Frameworks im Detail gearbeitet wird. Unternehmen, welche in ihrer Strategiearbeit eines der denkbaren Frameworks nutzen und mit diesem die oben genannten Prinzipien leben, sind anderen bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit weit voraus. Ob dies nun die Balanced Scorecard, Hoshin Kanri, Objectives & Key Results, OGSM, 4DX oder eine entsprechende Kombination dieser ist, spielt im ersten Moment keine Rolle.


Zu viel Struktur wird häufig schnell als lähmend wahrgenommen. Deswegen ist es wichtig, seinen eigenen Weg zu finden, geeignete Steuerungsprozesse zu schaffen, welche die wichtigsten Prinzipien in der Organisation verankern und dennoch Freiraum für das Notwendige lassen. Ohne entsprechende Prozesse jedoch wird sich ein Unternehmen aller Wahrscheinlichkeit in die Reihe der 67 % aller Unternehmen einreihen, welche an der Strategieumsetzung mehr oder weniger scheitern.


Ein sehr gut geeignetes Framework, welches zudem auch noch schlank ist und viel Spielraum für eigene Interpretationen und Anpassungen bietet, ist die agile Methode „Objectives & Key Results (OKR)“. OKR dient als Rahmen für die Definition von Zielen und deckt die in diesem Artikel beschriebenen Prinzipien hervorragend ab.


Wer mehr über OKR erfahren möchte, kann sich gerne unsere beiden Cheat Sheets zum Thema genauer ansehen und auf die nächsten Artikel in unserem Blog gespannt sein.



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